ZWISCHEN BETRIEBSAMKEIT UND HOFFNUNG – ODER WENN BALANCE HALTEN NOTWENDIG IST
- 12. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Text von Iris

Nachdem zum Jahreswechsel zuerst ein wenig Ruhe zum Durchatmen einkehren durfte, ist es inzwischen wieder ziemlich umtriebig. Die Vorstellung unseres Vereins am Rande einer Veranstaltung vor einigen Wochen kam wohl sehr positiv bei den Besuchern an, so dass ich gefragt wurde, ob ich nicht gerne für den nächsten Gemeindebrief der Kirche einen Beitrag verfassen möchte, zum Thema „Scheitern“. Okaaay, dachte ich zuerst.… In der Tat, nach dem Suizid meines Sohnes vor fast elf Jahren, da fühlte ich mich so. Gescheitert daran, ihn im Leben halten zu können. Gescheitert an meinem eigenen Leben, so wie es hätte sein sollen. Komplett. Mit meiner Familie. Ganz. Voller Lebensfreude. Geblieben sind damals Schmerz, Verlustängste, Versagensgefühl, Hoffnungslosigkeit und unendliche Trauer. Ja, das war wohl ein Scheitern. Wenn ich zurückblicke, wie unendlich viele kleine Schritte ich seitdem zurück ins Leben wagte, trotz immer wieder einmal mit mir hadern, zweifeln und ungeduldig sein.
Und doch. Trotz allem. Ich durfte an meiner Trauer wachsen. Ich durfte MIT meiner Trauer wachsen. Sie wird mich weiterhin begleiten, und doch dürfen nun auch wieder Lachen sein, auch mal unbeschwert fühlen, positiv nach vorne schauend. Nachdem ich mir dessen wieder bewusst wurde, stimmte ich zu, einen Text zu verfassen. Denn vielleicht wird der Beitrag jemandem Mut machen. Jemandem Hoffnung geben. Jemanden erreichen, der an dem Punkt steht, an dem ich mich Jahre zuvor befand: wo es nur darum ging, von einem Tag auf den nächsten durchzuhalten, weil der Blick nach vorne, auf Ziele und Pläne in der Zukunft in dem Moment gar nicht möglich ist. Denn heute kann ich sagen, dass mir der Weg vom eigenen Abgrund weg neue Ziele, neue Hoffnung und neue Perspektiven geschenkt hat. Auch wenn ich mich selbst immer wieder aufgeben wollte, ich habe es nicht getan. Ich durfte wachsen. An mir, an den Aufgaben die sich durch die Arbeit bei TREES of MEMORY e.V. ergaben. Und dafür danke ich nicht nur allen, die mich nicht aufgaben und an mich glaubten, ich danke auch mir selbst.
Parallel zu dem, was von jedem im Privaten gestemmt werden muss, läuft momentan viel in der Planung und Vorbereitung bei TREES of MEMORY e.V. Da geht es manchmal kreuz und quer von einer Sache zur nächsten, die dritte noch dazu und wieder zurück zur ersten. Vor lauter Betriebsamkeit sich nicht zu verzetteln, zu versuchen, eine Balance zu halten zwischen Machen und Energie auftanken, darauf lege ich gerade den Fokus. Nicht wieder in die Überforderung zu rutschen, sondern mich selbst dabei immer wahrzunehmen. Nur so können all die anstehenden Dinge gelingen, ich mich selbst gut dabei fühlen, und andere davon profitieren.
Unsere Mitgliederversammlung steht in etwas mehr als vier Wochen an. Berichte wollen geschrieben werden, die Kassenabrechnung gemacht und geprüft werden, die Einladungen verschickt. In 16 Tagen startet die Messe „gesund leben“ in Frankfurt, am Abend zuvor der Aufbau unseres Standes dort. Parallel wird schon das Team für die Messe LEBEN UND TOD (10.-11. April) in Bremen zusammengestellt und alles geplant, was geplant werden muss, um im Vorfeld wenig Stress zu haben, so dass wir auch dort, wie in zwei Wochen in Frankfurt, voll und ganz mit unserer Aufmerksamkeit bei allen sein können, die uns an unserem Stand besuchen.
Kurz nach der Messe in Bremen wird bei einer mehrtägigen Ausstellung und Veranstaltungsreihe zum Thema Mentale Gesundheit unter dem Titel „Sonnenlicht für Seelenschatten“ in Hardheim die Pflanzung eines TREE of MEMORY stattfinden. Auch hier wird nun parallel geplant und organisiert, ebenso wie für eine Baumpflanzung in privaterem Rahmen, die ich einige Kilometer entfernt von mir durchführen darf.
Umtriebig ist es. Und irgendwie auch spannend, da es doch auch immer Herausforderungen sind.
All das bedeutet Arbeit und eingebrachte Zeit. Und kann danach doch auch bereichernd sein. Menschen Hoffnung schenken, etwas Trost spenden, sie sich verstanden fühlen lassen können. Und sie dadurch auch manchmal lächeln lassen. Manch einen zaghaft, andere aufatmend, erleichtert und wieder hoffnungsvoller. Das ist ein wunderbarer Lohn für das, was wir tun.
Was ebenso gut tut, ist Zuspruch. Ob durch eine Spende, damit wir unsere ehrenamtliche Arbeit überhaupt leisten können, und natürlich auch durch ein sich-einbringen. Neue Mitglieder heißen wir jederzeit herzlich willkommen. Auf viele Schultern verteilt lässt sich vieles einfacher und leichter stemmen. Und falls ich Dein Interesse geweckt habe, nimm gerne Kontakt zu uns auf.
Und jetzt? Jetzt gönne ich mir das, was ich jedem von Euch wünsche. Eine kurze Auszeit am Tag, zum Innehalten, Durchatmen, Kraft tanken.
Passt auf Euch auf… und falls wir uns in Frankfurt, Hardheim oder Bremen sehen sollten: Ich freu mich auf die Begegnungen mit Euch, wie wir alle in unseren Teams, die dort unterwegs sein werden.





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