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WOHIN MIT DEN GEDANKEN – UND DEM FÜHLEN NOCH DAZU


Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Ob an der Jahreszeit generell, dem trüben Wetter, den zu wenigen Lichtblicken, die noch in allzu ferner Zeit zu liegen scheinen. Oder an dem zu wenigen Personal und dem hohen Arbeitspensum, welches mich im Arbeitsleben momentan im Griff hat. So oder so, mein Kopf fühlt sich manchmal ganz voll an und gleichzeitig leer. Kennt Ihr das Gefühl? So, als renne ich richtiggehend durch den Tag und gleichzeitig treibe ich einfach dahin. Alle Energie im Laufe des Tages aufgebraucht, so dass am späteren Nachmittag und Abend nichts mehr davon übrig scheint, einfach vieles liegen bleibt was noch getan werden sollte. Ich nehme es an, so wie es ist. Ich könnte mich nun noch mehr unter Druck setzen, mir doch noch viel mehr vornehmen, um so manches wieder auf Vordermann zu bringen. Ich lasse es sein… denn es wäre kontraproduktiv, wäre Überforderung, die sich alsbald wieder an mir rächen würde. So lasse ich es zu, dass meine Gedanken immer wieder im Nirgendwo zu schweben scheinen, weil die Konzentration nicht mehr vorhanden ist. Versuche diese zu bündeln auf die Dinge und Zeiten, wo sie auf jeden Fall vonnöten ist. Ich merke, ich funktioniere gerade nur bedingt. Aber hey, das ist okay… Ich lerne, mich von meinem Perfektionismus zu verabschieden. Ich bin es nicht. Keiner ist das. Und das ist okay. Ich darf lernen, meine Ansprüche an mich selbst herunterzuschrauben. Wem würde ich denn etwas damit beweisen? Ich bin es doch nur selbst, die diese Erwartungshaltung an mich hat. Das Einzige, worauf ich dabei aufpassen sollte, ist eben nicht in die totale Lethargie zu verfallen. Das gesunde Maß zu finden. Zwischen Aktionismus und Ruhe. Ja, ich brauche sie gerade mehr, die Ruhe. Weil mehr einfach nicht geht. Wir werden von außen wieder ausgebremst, so kann ich es doch auch innerlich zulassen, denke ich mir. Ein oder zwei Gänge runterschalten. Mich den Gegebenheiten anpassen. Mein seit einem halben Jahr geplanter Kurztrip, der die nächste Woche hätte stattfinden können, der große Lichtblick des Winters, er wird nicht stattfinden können. Es geht mir wie so vielen von Euch. Vieles des Geplanten fällt wieder einmal weg. Ich merke, dass mir das mental zu schaffen macht. Ich spüre das ausgelaugt sein meiner Kollegen, wie auch sie wirklich auf dem Zahnfleisch gehen. Ich bin also mit allem nicht allein. Ich nehme es bei meinen Mitmenschen wahr, wie sich bei vielen eine Müdigkeit breit macht.

Diesen Sonntag, wie jeden zweiten Sonntag im Dezember, ist Worldwide Candle Lighting. Überall auf der ganzen Welt wird zur regionalen Uhrzeit um 19 Uhr eine leuchtende Kerze in den Fenstern der Häuser der Familien gestellt, die ein Kind verloren haben. Begleitet mit regionalen Gedenkgottesdiensten. In unserer Region fällt dieser Gottesdienst nun schon zum zweiten Mal auf Grund der Pandemie aus. Für mich persönlich war und ist solch ein Gottesdienst immer wieder wichtig. Zu spüren, dass ich nicht allein um ein Kind trauere. Um mein Kind trauere. Die Trauer und das Erinnern dürfen ganz bewusst einen Platz und Raum haben. Ganz offen, nicht versteckt und allein für mich dürfen dann auch die Tränen laufen. Und sie fließen auch bei den anderen. Es ist tröstlich zu sehen und zu spüren, dass man nicht allein ist. Und nun, wieder einmal, findet der Gedenkgottesdienst nicht statt. Wie auch im letzten Jahr werde ich an einer Online-Gedenkfeier teilnehmen. Ich brauche das einfach für meine Seele. Denn gerade jetzt, wo Weihnachten immer näher rückt, da spüre ich meine Traurigkeit umso intensiver. Mein Sohn fehlt. An allen Ecken und Kanten. Sein Grinsen, sein Lachen, seine Traurigkeit, seine philosophischen Gedanken, seine doofen Sprüche, mit denen er uns immer aufzog. Es fehlt mir, ihn nur anzusehen und zu spüren, wie dabei mein Herz immer mehr aufgeht. Weit wird, Glück verspürt, Liebe verspürt. Natürlich verspüre ich dies auch, wenn ich meine Tochter betrachte. Und ich betrachte sie liebend gerne. Ihre Gesten, ihr strahlendes und wunderschönes Lächeln, ihre grazile Art, ihre Sanftheit. Ihrer Stimme zu lauschen, wenn sie uns etwas erzählt, lässt mich lächeln. Ich bin gesegnet mit ihr. Und unsagbar dankbar, dass es sie gibt und ich dieses Wunder auf die Welt bringen durfte. Mein anderes Wunder, mein Sohn, er fehlt dennoch. Wird es immer tun. Zu dieser Jahreszeit unsagbar spürbar. Und so weiß ich oft nicht, wohin mit meinen Gedanken. Wohin mit meinen Gefühlen. Jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung. Und wieder einmal weiß ich nicht, wohin mit mir. Zwar habe ich schon ein paar Dinge in der Hinterhand, mit denen ich mir die Zeit über Weihnachten vertreiben könnte. Bücher, Puzzle, Malsachen wären griffbereit. Und ebenso Dinge, die ich für TREES of MEMORY e.V. weiter ausarbeiten oder daran arbeiten kann. Das nimmt mir nun zumindest etwas den Druck weg, hilflos ausgeliefert zu sein. Ich habe was in petto, um die Tage zu überstehen. Es kann jedoch genauso gut passieren, dass ich nichts davon mache. Und vielleicht spazieren gehe, sollte das Wetter mitspielen und ich mich dazu aufraffen können. Oder einfach viel zu schlafen, weil mein Körper (und vielleicht auch meine Seele) das braucht. Ich versuche mich nicht unter Druck zu setzen und es auf mich zukommen zu lassen. Es geht darum, diese Zeit wieder einmal zu überstehen. Und doch gelang mir vor einigen Tagen eine klitzekleine Annäherung an diese Zeit. Trotz dem Versuch, diese Zeit auszublenden, hängt der leuchtende Stern im Fenster, den mir meine Tochter geschenkt hat. Und ich habe mir sogar selbst etwas gekauft. Eine kleine, beleuchtete Winterlandschaft im Glas, die ich einfach schön fand und das spontan in den Einkaufswagen legte. Was soll ich sagen… ich kann mich daran erfreuen, wenn ich diese zwei Dinge betrachte. So, wie mir Freude eben möglich ist. Gedrosselt, wehmütig, aber immerhin. Und ja, ich glaube, ich darf stolz auf mich sein. Auch wenn ich das nicht so empfinde. Zu wissen, dass ich es dürfte, ist auch schon ein Schritt. Womit wir wieder bei den kleinen Schritten wären…

Und so versuche ich nun, mit diesen Lichtern am Fenster, auch die Helligkeit wahrzunehmen. Die Hoffnung darauf zu setzen, dass im kommenden Jahr all die Vorhaben und Veranstaltungen mit TREES of MEMORY e.V. durchführbar sein werden. Denn dies gibt mir Energie. Und um positiv nach vorne zu schauen, habe ich dieses Jahr gleich mehrere Konzerttickets geordert, um dann 2022 hoffentlich auch alle Konzerte besuchen zu dürfen. Dies ist mein Weg, den Optimismus nicht ganz zu verlieren. Lichtblicke einbauen, wo es nur geht. Ziele zu stecken, über das ganze Jahr. Egal wie groß oder klein sie auch sein mögen, diese Lichtblicke braucht es gegen die Dunkelheit. Und vieles davon können wir für uns selbst suchen. Hin spüren, was wir brauchen. Und es auch für uns einzufordern.

Ich wünsche Euch ein Licht in der Dunkelheit, sei es auch noch so zaghaft. Einen Ort, wo Ihr zur Ruhe kommen könnt, um wieder aufzutanken. Ich wünsche Euch Dinge und Momente, die Euren Herzen und Eurer Seele guttun.