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WENN DER DRUCK ABFÄLLT – ODER WAS BLEIBT IM RÜCKBLICK DER TAGE


Nun ist also auch der letzte Tag unserer Veranstaltungen im Taubertal zum Welttag der Suiziprävention vorbei. Unser Gedenk- und Mut-mach-Gottesdienst liegt hinter uns. Von den Vorbereitungen her die intensivste Veranstaltung. Drei Planungstreffen, davon das erste schon sechs Monate vorher. Klar, man schaut ja auch, welches Motto man nimmt. Und wie die Kurve zwischen Gedenken und Mut machen machbar ist. Den Titel fanden wir recht schnell. „Licht am Ende des Tunnels“… Nicht, weil unsere verstorbenen Angehörigen vielleicht nun im Licht sind, sondern weil wir denen die Hoffnung und den Mut geben wollten, die um sie trauern. Und denen, die durch ihre Erkrankung so oft im dunklen Tunnel sind. Die visuelle Umsetzung wurde durchdiskutiert, letztendlich haben wir uns für ein gemaltes Bild entschieden. Und da ich nicht wusste, wie ich Lichtstrahlen auf Tonkarton zeichnen soll, für Licht in Kerzenform als Namenskärtchen. So war also in den letzten Wochen malen und basteln angesagt. In jeder freien Minute. Und auch den Text, den ich vortragen wollte, musste ich noch verfassen. Am Freitag wurden die letzten Namenskärtchen gefertigt, und auch die letzten Mut-mach-Kärtchen gestaltet. Von letzteren hatten wir zum Glück noch einige vom letzten Jahr, so dass eine Aufstockung ausreichte.

Das Organisationsteam bestand aus sechs Personen. Drei aus der katholischen Kirche, dem evangelischen Pfarrer Matthias Widmayer, der gleichzeitig auch Leiter der Notfallseelsorge ist, und zwei Mitgliedern von uns. Beim letzten Treffen vor drei Wochen waren zwei des Teams verhindert, die Planung stand ja aber soweit schon fest. Meine Tochter hatte dann den Tipp für mich, wen wir anfragen könnten für das Gitarrenspiel. Steffen Adelmann sagte auch sofort zu. Wir fanden zwar nur an einem Tag Zeit, um gemeinsam zu proben, und dann noch kurz vor Beginn in der Kirche.

Und dann war er da, der Tag des Gottesdienstes. Wieder einmal stand ich etwas unter Hochspannung. Die Anspannung wuchs zudem, als um 17 Uhr nur einer unseres Teams dastand. Von einem Teammitglied wusste ich zwar, dass er familiär einen wichtigen Termin hatte, es war mir aber entfallen. Unser katholischer Part, der mit durch den Gottesdienst führen sollte, war erkrankt und hatte dies kurz vorher noch dem evangelischen Pfarrer mitgeteilt. Ich weiß, dass ihm diese Absage schwergefallen sein muss, denn auch er ist mit Herzblut bei allem dabei gewesen. Unser Orga-Team Mitglied Sr. Regina Maria kam kurz darauf, und teilte mir dann mit, dass unser Vereinsmitglied, die mit im Organisationsteam ist, ihr schon vor einiger Zeit sagte, dass sie an diesem Tag nicht da sein könne. Davon wusste ich leider nichts. Und so fühlte ich, wie innerlich das Chaos in mir ausbrach. Matthias strahlte eine absolute Ruhe aus, und wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Nun hatten wir zwar keine Stehtische, die wir vor die Kirche stellen wollten, aber der kleine Tisch aus der Kirche reichte auch, so trugen wir ihn nach draußen, um die Namenskärtchen bereitstellen zu können. Die schwarzen Tücher, die wir vor das Bild des Tunnels legen wollten, waren auch nicht da, also musste es ohne gehen. Und da uns auch die Liedblätter fehlten, in denen auch der Gottesdienstablauf stand, konnten die Besucher den Text des Liedbeitrags nicht mitlesen. Da Gemeindegesang Corona bedingt noch nicht möglich ist, war lediglich der Liedvortrag von meiner Tochter und mir (zum allerersten Mal haben wir gemeinsam gesungen) vorgesehen, bei dem uns Steffen Adelmann so wunderbar mit seiner zwölfsaitigen Gitarre begleitete. Noch während wir in der Kirche probten, kamen die ersten Gottesdienstbesucher an. Sr. Regina empfing alle vor der Kirche, nachdem sie zuerst bei den Klosterschwestern nebenan noch wegen dem Mikrofon und Desinfektionsmittel gefragt hatte. Und dann begann unser ökumenischer Gedenk- und Mut-mach-Gottesdienst. Mit evangelischem Pfarrer in katholischer Kirche hielten wir somit ja auch daran fest. Ich blieb komplett unter Anspannung, während des ganzen Ablaufs. Nach dem vom Organisten begleiteten Einzug eröffnete Matthias den Gottesdienst und begann die Einführung mit gut gewählten Worten. Nach einem Gebet, dem sich das stille Gebet anschloss, las er den Psalm 130 nach der Übertragung von Peter Spangenberg vor. Dann kam unser Liedbeitrag, für den wir uns „Ist da jemand“ von Adel Tawil ausgesucht hatten. Wir waren wirklich nervös, ob das so klappen würde, da wir bei einer Strophe zuvor jedes Mal Schwierigkeiten hatten, unseren Einsatz hinzubekommen. Es hat recht gut geklappt, auch wenn ich einmal den Einsatz versemmelt hatte, was meine Tochter einfach mal weggegrinst hat. Matthias Widmayer hat sich Joh. 12, 44-46 für seine Lesung ausgesucht. Danach kam die Predigt mit schön gewählten Worten, die auch nachdenklich machten. Bevor wir dann unser Kerzenritual begannen, las ich noch meinen Text vor. In diesem war mir wichtig, aufzuzeigen, dass es Licht auch in tiefer Dunkelheit geben kann. Hoffnung geben kann. Und dass Hilfe geben, Hilfe sehen und Hilfe annehmen etwas ist, was dabei helfen kann. Zur instrumentalen Begleitung der Zeremonie lief über Lautspreche das „Lichtgebet“ von Haggios. Jeder Gottesdienstbesucher hatte zu Beginn das Namenskärtchen vor das Bild am Altar gelegt. Nun durfte jeder das Lichtlein anzünden und die Kerze zum jeweiligen Namen stellen. Ich war ganz dankbar, dass Sr. Regina, meine Tochter und Tina bei dem Ablauf halfen, da die Hälfte des Teams ja fehlte und die dafür eigentlich vorgesehen waren. Danach kamen die Fürbitten und das gemeinsame Vaterunser, bevor der Organist das Segenslied spielte. Nach dem gemeinschaftlichen Segen wurde auch der Einzelsegen angeboten, welcher auch vom Orgelspiel begleitet wurde. Matthias dankte im Anschluss dem Organisationsteam, und ich allen Gottesdienstbesuchern für ihr Kommen. Die fleißigen Helferlein Sr. Regina und Tina begaben sich dann nach draußen, um die Mut-mach-Kärtchen bereitzustellen. Da wir unterbesetzt waren, kam ich nicht dazu, von allem Fotos zu machen. Deshalb habe ich das heute zum Teil nachgeholt dafür aber die Kärtchen umgedreht in die Boxen, so dass ihr die Texte lesen könnt. Gestern durfte jeder blind ziehen, also ohne den Text zu sehen. Auch die Gespräche nach dem Gottesdienst waren mir nicht in dem Ausmaß möglich, wie ich es mir gewünscht hätte. Was mich besonders bewegte, waren die Besucher des Abends. Manche fuhren extra 50 bis 70 Kilometer her, um teilzunehmen. Der Mann, der sich bei der Autorenlesung mit seinen Ängsten und seinem Straucheln öffnete, kam ebenfalls. Auch die ältere Dame, die extra zum Infostand kam, weil sie Antworten und Hilfe suchte. Erst durch die vielen Rückmeldungen danach wurde mir bewusst, dass der Gottesdienst den Menschen half. Sie berührt waren, auch wieder Kraft und Mut schöpfen konnten. Ich selbst habe danach noch Stunden gebraucht, um runterzukommen, so groß war die Anspannung über den Tag. Und habe dann zum ersten Mal wieder ultralange geschlafen. Der Druck ist nun abgefallen… und jetzt, beim Schreiben, spüre ich Dankbarkeit. Für die Menschen, die an meiner Seite stehen. Die uns unterstützen, auch wenn sie gar nicht mit dem Thema direkt zu tun haben. Und für all die Menschen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind. Dankbarkeit für jedes einzelne Gespräch, für jeden Zuspruch, und für jeden, der mein Leben nun bereichert. Ohne TREES of MEMORY wäre ich wohl lange nicht so weit. Und nun gibt es mir so viel zurück. Ein riesiges Dankeschön an alle, die diese Tage so wertvoll und umsetzbar gemacht haben. An Jens, Matthias, Sr. Regina, Markus, Elisabeth, Tina, Nadja, Steffen und an den Organisten Herr Müller. Und an alle, die die Autorenlesung, uns am Infostand, und unseren Gottesdienst besuchten. Jeder einzelne zählt, und jeder ist wichtig. Das wurde mir ganz deutlich gezeigt.


Und während für mich nun einige Tage Auszeit ansteht, wird im Saarland noch fleißig gearbeitet. Heute findet dort die Wanderung zu "jeder Kilometer zählt" statt, die von Sandra und Mario Kelter organisiert wurde. In den nächsten Tagen geht es für die beiden weiter mit viel Öffentlichkeitsarbeit nach der Veröffentlichung ihres Buches "Nico kommt nicht mehr nach Hause", was gleichzeitig auch immer mit Bekanntmachung unseres Vereins einhergeht. Dafür danke ich den beiden von Herzen...