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SELBSTREFLEKTION UND WAHRNEHMUNG – ODER DER UMGANG MIT MIR SELBST


Ich glaube, wir alle kennen im Moment diese Müdigkeit. Müde von der Pandemie, ihren ganzen Auswirkungen auf unser Leben. Müde vielleicht auch von vielen anderen Dingen, die uns das Leben erschweren. Je länger wir in dieser Situation feststecken, umso schwerer scheint es, damit klarzukommen. Viele Menschen fehlt die Kraft zu erkennen, was sie bräuchten, was helfen könnte. Oder auch erst einmal zu erkennen, dass gerade etwas im Argen ist. Die Selbstreflektion ist eigentlich der erste Schritt. Erkennen, was los ist. Ist es ein kurzes Tief, welches mich nur für ein paar Tage im Griff hat? Dauert es schon länger an und verstärkt sich immer mehr? Wie gelähmt fühle ich mich bei vielen Dingen? Fühle ich mich durchweg überfordert? Fühle ich mich total ausgebrannt? Traurig? Müde? Leer? Oder gar lebensmüde? Und wie lange geht das schon so? Genau dies sind Fragen, die man sich stellen darf in der jetzigen Zeit. Genau hinschauen, an welchem Punkt man steht. Wie lange es schon so ist, wann es sich verschlechtert hat. Für Menschen, die trauern oder der Verlust eines geliebten Menschen noch nicht lange her ist, mag dies gerade ganz unabhängig von der pandemischen Lage sein und sich alles schwer, trostlos und grau anfühlen. Trauer ist keine Erkrankung, keine Depression. Aus der erschwerten Trauer kann jedoch eine psychische Erkrankung heraus beginnen. Gerade wenn man das Gefühl hat, nur noch auf der Stelle zu treten, dass sich anscheinend nichts an der Gefühlslage ändert. Es sich anfühlt, als ob man den Anschluss ans Leben nicht mehr bekommt. Was vielen gerade fehlt, ist ein Ziel. Und die Aussicht darauf, dieses Ziel auch erreichen zu können. Man ist zaghaft damit, Pläne zu machen. Ganz unabhängig davon, ob man einen geliebten Menschen verloren hat oder vieles seines gewohnten Lebens.

Vielleicht mag es schon helfen, die Selbstreflektion als erstes Ziel anzusteuern. Darauf aufbauend versuchen herauszufinden, welche weiteren Schritte es braucht, um wieder nach vorne blicken zu können. Brauche ich professionelle Hilfe? Manchmal kann diese Erkenntnis schon hilfreich sein, den Leidensdruck nehmen. Da es aufzeigt, es gibt einen Weg. Es gibt PIAs, also Psychologische Institutsambulanzen, die zeitnah einen Gesprächstermin bieten können, sollte die Wartezeit auf einen Platz beim Therapeuten zu lange sein. Ist es das Burnout? Es ist kein Versagen, nach sich selbst zu schauen und mit Hilfe des Hausarztes oder Therapeuten einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik anzustreben. Es ist wichtig und wertvoll, diese Eigenverantwortung zu übernehmen, um wieder gestärkt werden zu können.

Oder schaffe ich es auch allein? Welche Dinge können mir helfen, um aus dem Tief zu kommen? Dabei realistisch bleiben, die Ziele nicht zu hoch stecken. Brauche ich die Ruhe? Oder hilft mir die Beschäftigung mit irgendwas? Oder ein Treffen mit guten Freunden? Falls es schlimm ist und man sich selbst manchmal nicht mehr zu spüren scheint, man sich konstant abwesend fühlt, können kleine Skills dabei helfen, um wieder ins Hier und Jetzt zu finden. Die kalte oder heiße Dusche (dabei bitte Vorsicht, Wasser nicht bis zum Verbrennen aufdrehen!), in eine Zitrone beißen, scharfes Bonbon lutschen oder andere Dinge, die die Sinnesorgane ansprechen. Sie helfen uns dabei, unseren Körper, uns selbst wieder wahrzunehmen.

Ich selbst spüre meine Müdigkeit gerade besonders dadurch, dass ich unheimlich großen Schlafbedarf habe. Ob das mit am Cortison und den Schilddrüsenmedikamenten liegt, kann ich gar nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist es eine Gesamtsumme aus allem. Dem Arbeitspensum, den Medikamenten, der Pandemiemüdigkeit, dem Vermissen meines Sohnes. Mein Körper scheint den Schlaf zu brauchen. Dann gönne ich es ihm. Ich spüre die Müdigkeit dadurch, dass ich wenig raus gehe, weil ich es anstrengend finde, da ein Stadtbummel momentan nicht so prickelnd ist. Dann doch lieber ab und an ein Telefonat oder ein Treffen mit einer lieben Person, sollte es mir danach sein. Ich spüre die Müdigkeit dadurch, dass es mir schwerfällt, mir Ziele zu setzen. Also versuche ich mir nicht viele, sondern eben nur eins zu setzen. Wenn es erreicht ist, kann das nächste in Ruhe überlegt werden. Nicht ganz in den Stillstand zu kommen, aber das Tempo herunterfahren. So, dass ich noch das Gefühl haben kann, Schritt halten zu können.

Gut zu sich selbst sein, sich Gutes tun. Mit den Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Das, was es einem noch schwerer macht, versuchen zu minimieren. Aber vor allem eines: nicht aufgeben. Denn eines Tages, und darauf möchte ich ganz fest hoffen und vertrauen, wird es wieder besser. Was wir selbst dafür in der Hand haben, dürfen wir gerne nutzen und umsetzen. Was es zusätzlich braucht, dürfen und können wir herausfinden und versuchen anzugehen. Was hilft Euch, oder könnte Euch helfen, um etwas besser klarzukommen? Eine Liste zu schreiben, diese vor sich liegen zu haben, weil man es sonst ab und an wieder vergessen würde, kann da wirklich nützlich sein. Und natürlich kann die Liste fortwährend erweitert werden. Kleine Oasen uns Lichtblicke in unser eigenes Leben zu bringen, braucht es jetzt wohl gerade in dieser so schwierigen Zeit. Lasst uns auf die Suche danach gehen, jeder für sich selbst und auch gemeinsam.