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MACHTLOSIGKEIT UND HOFFNUNGEN - ODER DIE WIEDERKEHRENDEN EIGENEN ERWARTUNGEN



Manchmal fühlt sich vieles so unwirklich an. Als ob ich mich in einer Seifenblase befinde. Ich bin dabei, nehme am Leben teil, doch irgendwas fehlt. Immer. Kleinigkeiten können mich aus der Bahn werfen, mich unsicher machen. Da ist einerseits die Freude darüber, dass so nach und nach eine „Normalität“ zurückkehrt, nachdem einfach ganz viel durch Covid19 nicht mehr machbar war. Und andererseits diese Schwere, die durch die Sehnsucht nach meinem Kind auf meiner Seele lastet. Ich habe zwei Optionen. Mich der Schwere hinzugeben, oder sie einfach neben und in mir zu wissen und trotzdem weitermachen. Ersteres wäre einfacher. Weil es ja DA ist, ich nichts tun müsste, damit der Zustand eintritt. Zweiteres aber ist schwerer, weil ich meinen Fokus ganz gezielt daraufsetzen muss. Aber sicherlich die gesündere Variante. Damit mein Blick darauf nicht verloren geht, muss ich mich immer wieder daran erinnern. An das, was gut ist. An das, was noch kommen mag. Zum einen sind da Menschen, die mich in meinem Leben begleiten. Von Beginn an, wie meine große Schwester, oder wie meine eigene kleine Familie, die meine Basis und mein Rückhalt sind. Und wie weitere Teile meiner Familie. Ohne sie wäre ich zu vielem nicht fähig. Die Zeit mit ihnen ist so wertvoll für mich. Zum anderen gibt es da Aufgaben. Der Verein, der Kontakt zu den Mitgliedern, die vielen investierten Stunden bei der Organisation und auch die Zeit, die ich in Kontakt stehend mit den Menschen bin, die uns schreiben, Fragen haben, Begleitung brauchen, sich Bäume der Erinnerung wünschen. All dies lässt mich immer wieder aus der Seifenblase austreten. Weil dafür Energie benötigt wird, und ebenso auch wieder Kraft zurückkommt.

Während Mario Dieringer sich nun auf den Beginn seines Laufes vorbereitet, arbeiten wir unter anderem an der Organisation der bevorstehenden Baumpflanzungen. Ebenso an den Vorträgen, die noch immer auf den letzten Schliff warten. Als ganz neues Projekt werden wir zudem einen klitzekleinen Imagefilm in Angriff nehmen, so dass unser Tun in Wort und Bild aussagekräftig dargestellt wird. Da es nicht mehr lange bis September hin ist, wird nun auch schon an der Gestaltung eines Gedenkgottesdienstes gearbeitet. Die Unsicherheit, die nun schon seit Monaten anhält, ob die Autorenlesung mit Uwe Hauck und seinem Buch „Depressionen abzugeben“ am 09.09. wirklich stattfinden kann, ebenso wie die zwei Messen im September und Oktober, sie macht etwas mürbe. Und benötigt Geduld. Eine Herausforderung für mich…

Was seit heute aber ganz offiziell steht, ist unser Seminarwochenende für unsere Paten der 1. Anlaufstellen. Schon im letzten Jahr gebucht, ist es jetzt erst sicher. Die Lockerungen der Einschränkungen vergangener Wochen und Monate mussten nun erst einmal klar sein. Es wird sicherlich ein arbeitsintensives Wochenende, wobei wir aber auf alle Fälle vieles für uns selbst und auch für unsere Begleitung Betroffener mitnehmen können. Ich freue mich darauf, und ebenso ergeht es den anderen Teilnehmern. Auch wenn manches vielleicht noch immer erschwerter sein sollte, falls das mit dem Mindestabstand bis dahin noch eingehalten werden muss. Aber es findet statt, und das ist ein ganz großer Lichtblick.

Zuvor aber wird erst einmal Mario seinen Lauf ab Coburg starten und auf seiner Route auch hier vorbeischauen. Und auch den Baum der Erinnerung in Bobstadt besuchen, den er letztes Jahr mit uns gepflanzt hat. Wenn er sich dann auf seinen weiteren Weg aufmacht, werde ich selbst losziehen und Kraft auftanken. Vier Tage in den Bergen, gemeinsam mit meiner Schwester. Etwas, worauf ich mich schon seit einem halben Jahr freue und dass nun so lange so fraglich war, ob es uns überhaupt möglich sein kann. Es kann wieder Normalität einkehren… zumindest die, die es im Leben mit dem Vermissen im Herzen geben kann.

Lassen wir die Haut der Seifenblase mal ganz dünn werden, und wieder ins Hier und Jetzt eintreten. Es gibt schöne Dinge im Leben, wertvolle Momente und vieles, was man bewusst wahrnehmen sollte. Trotz der Schwere und den Phasen der unendlichen Trauer, die so oder so nicht weg geht. Aber durch die guten Dinge ist sie manchmal erträglicher als ich jemals zu hoffen gewagt hatte, auch wenn sie oft so unendlich müde macht.