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GRENZENSCHIEBER-ODER WAS TUN, WENN MEINE ÄNGSTE MICH LÄHMEN...


Jeder Suizid hinterlässt Spuren"; das haben wir auf unserem neuen Banner stehen. Nicht nur die Verstorbenen hinterlassen ihre Spuren in unserem Leben, auch die Erfahrung des Verlustes tut es. Heute war wieder so ein Tag, der mir genau aufzeigte, was mir im Gegensatz zu "Davor" nun im "Danach" doch immer wieder zu schaffen macht. Manche Geräusche, vor allem wenn ich nicht damit rechne. Und auch Menschenmengen zum Beispiel, oder Räume voller Menschen ohne den Ausgang des Raumes zu sehen. Nur ein Feiertag vor dem Wochenende, und schon herrschte Chaos auf den Parkplätzen vor den Einkaufszentren. Mein erster Gedanke: "dreh um und fahr heim". Dann bliebe aber der Kühlschrank leer, also ungünstig. Alleine schon die Suche nach einem freien Parkplatz lässt mich schwerer Atmen, das Gefühl der Beklemmung wächst an, Schweiß tritt aus meinen Poren, denn ich muss da jetzt durch, kann nicht flüchten. Im Laden wird es nur bedingt besser, ich muss mich nicht durch jeden Gang drängeln, kann ganz gezielt an die drei Regale an die ich muss und dann zielstrebig Richtung Kasse marschieren. An solchen Tagen, in solchen Momenten, da würde ich nicht einmal meine Tochter erkennen, würde sie mir entgegen laufen. Zu fixiert darauf, einfach aus der Situation entfliehen zu können. Solche Tage nenne ich GRENZENSCHIEBER. Es kommt mir erst gar nicht in den Sinn, dass ich es sicher und heil überstehen werde. Das Denken setzt aus, der Fluchtmechanismus lässt alle Synapsen auf Alarmbereitschaft stehen. Nach überstehen der Situation fühle ich mich, als ob ein Marathon hinter mir liegt: ausgelaugt, müde und fertig. Oft hilft mir, mich danach regelrecht in Musik zu "verkriechen". Das beruhigt mich, wenn ich den Beat spüre und nichts anderes als die Musik wahrnehme. Vor dem Tod meines Sohnes kannte ich das nicht. Nun, viereinhalb Jahre später, kämpfe ich noch immer damit. Doch wo ich zu Beginn ohne es zu bemerken schlichtweg das Atmen einstellte und sich die Angst und Panik wie eine Klaue um mein Herz zu legen schien, es fühlbar zusammenquetschte, gelingt es mir inzwischen besser, mich dem zu stellen. Wenn ich meiner Angst nicht begegne, ihr nicht die Stirn biete, so lässt sie mich nicht los. GRENZENSCHIEBER- kleine Dinge können dabei helfen, sich selbst wieder ruhig werden zu lassen. Ich hatte mir an einem Strand, an dem ich die wunderschönsten Sonnenuntergänge erlebt habe, wo ich meinen Sohn ganz nah bei mir spürte und meine Auseinandersetzung mit meiner Trauer überhaupt erst richtig begonnen hatte, ganz wundervolle Steine gesammelt. Einen davon trage ich seitdem immer in meiner Handtasche bei mir. Er fühlt sich gut an. Und jedes mal, wenn ich merke, dass ich in großen inneren Stress gerate, mein Tinnitus ganz groß "Hallo, hier bin ich wieder" schreit, dann nehme ich diesen Stein in die Hand. Ihn zu spüren scheint mir die Ruhe und die Stille der Sonnenuntergänge vor mein inneres Auge zu bringen. Lässt mich wieder ruhiger atmen. Ganz kleines kann da großes bewirken.... und meine Panik, meine Angst, sie wird weg geschoben... Habt ihr auch etwas, das euch hilft? -Eure Iris