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Seminarwochenende der 1. Anlaufstellen in der Rhön


Vom 03. Bis 05. Juli 2020 fand das Seminarwochenende für die Paten der 1. Anlaufstellen im Seminarhotel Schloss Buchenau in der Rhön statt. Bereits am Freitagnachmittag reisten die Teilnehmer an, um schon im Vorfeld des Seminars die Zeit gut zu nutzen. „Wir haben nicht oft die Gelegenheit, uns in einer ganzen Gruppe auszutauschen. Durch die Entfernungen gelingt es meist in Zweier-Teams oder vieles auch telefonisch und per Mailaustausch“ so Iris Pfister, die die 1. Anlaufstellen leitet und meint zudem: „Umso wertvoller ist dieses Wochenende für uns alle“.

Nachdem die Zimmer bezogen und das Abendessen serviert wurde, begab sich die Gruppe zur kleinen internen Schulung. Hierfür wurde die PowerPoint-Präsentation genutzt, mit deren Hilfe sich der Vortrag besser bei den Zuhörern einprägen kann. Er wurde bereits an mehreren Kliniken und bei Beratungsstellen durchgeführt, um unseren Verein, unser Tun und Wirken vorzustellen. Hauptaugenmerk liegt dabei vor allem bei der erschwerten Trauer nach Verlust durch Suizid, Sensibilisierung im Umgang mit Angehörigen, sowie eventuell bestehende Unsicherheiten dabei reduzieren zu können. Den Anwesenden wurde bei diesem Vortrag sie Sicherheit vermittelt, so dass sie selbst zukünftig ebenfalls in verschiedenen Organisationen und Kliniken auch zudem über die Arbeit von TREES of MEMORY e.V. referieren können. Nach der kleinen Schulung konnte der Abend bei guten Gesprächen zu späterer Stunde ausklingen, so dass auch die neueren Paten unserer Runde besser kennengelernt werden konnten.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Seminars mit den Themen „Grundkenntnisse der Trauerbegleitung, Gesprächsführung, Empathie und Distanztechniken“.

Am Vormittag begrüßte Natalie Katia Greve von „Trauerbegleitung Vergiss mein nicht“ die Teilnehmer zum Seminar und ging zu Beginn den Rahmen der Zusammenarbeit durch. „Alles was ihr tut und sagt ist freiwillig, vertrauensvoll und selbstverantwortlich. Wenn mal etwas zu viel wird, dann dürft ihr das benennen,“ erwähnte Frau Greve bevor wir begannen. „Wir werden Tiefe haben, den Humor brauchen wir deshalb jedoch nicht vergessen.“ Zuerst gingen wir gemeinsam das Thema erschwerte Trauer nach Verlust durch Suizid sowie die unterschiedlichen Trauerphasen durch. Hierbei konnte unser schon vorhandenes Wissen noch einmal aufgefrischt werden. Intensiver wurde an der Technik der Gesprächsführung herangegangen. Welche Eigenschaften sollte ich mitbringen? Welche Haltung brauche ich? Worauf kann ich bei meinem Gegenüber noch besser achten? Welche Wortwahl ist die richtige? Auf was sollte ich besonders achten? Auf diese und weitere Fragen wurde dabei hinreichend und ausführlich eingegangen. „Das war wirklich sehr praxisnah, da fühle ich mich noch besser sensibilisiert für die Arbeit mit Trauernden,“ betonte Bettina Lang, die als Anlaufstellen-Patin bei TREES of MEMORY e.V. und zudem auch für den Verein AGUS die Selbsthilfegruppe in Arnsberg leitet, danach. Durch Beispiele wurde eine wertvolle Gesprächsführung versinnbildlicht. „Die Zitate, die Frau Greve genannt hat waren wertvoll, sie hat das ganze Seminar hindurch sehr persönlich und zusammenführend gestaltet“, so drückte Stephanie Mauer aus, die im Umkreis von Bubenreuth bei Nürnberg als Patin zur Verfügung steht.

Nach vier Stunden gespanntem Zuhören und engagierter Mitarbeit der Teilnehmer stärkte man sich beim Mittagessen bevor es zum nächsten Teil „Empathie und Distanztechniken“ ging. Hierbei war das Ziel, eine gewisse Distanzierung zu dem, was wir hören, zu finden, ohne an Empathie zu verlieren. Durch Fallbeispiele konnte so manche Situation besprochen werden. Wie wichtig es ist, Distanztechniken anzuwenden, spürten wir auch an diesem Tag. Trauer nach Suizid und die Begleitung Angehöriger ist ein nicht einfaches Thema, welches die emotionale Ebene selbst im Zuge eines Seminars berührt. Um im Anschluss wieder besseren Halt und Abstand zu bekommen, wurden vor der Abschlussrunde mit Feedbacks noch das Beschäftigen mit Tennisbällen zur Hilfe genommen, was sich gut eignete, um das über den Tag Aufgenommene sacken zu lassen und wieder auf andere Dinge fokussiert sein zu können.

Jeannette Hendricks, eine frische Anlaufstellen-Patin aus Kaiserslautern, sagte in der Runde: „Ich habe mich so gut aufgehoben gefühlt und bin wirklich erstaunt, wie schnell ich mich selbst vor euch allen öffnen und fallen lassen konnte. Ich durfte in dieser Runde ´ICH´ sein. Auch den Punkt über das systemische Denken fand ich absolut wertvoll und interessant.“ Nach insgesamt drei Stunden am Nachmittag waren wir alle angereichert mit viel neuem Wissen, altem, wieder vertieften Wissen und guten Inputs. „Diesem Seminar, der Leitung und der Organisation gehört ein Lob ausgesprochen“, sagte der zweite Vorstand Mario Kelter und erwähnte weiter „Ich habe schon einige Seminare besucht, meist beruflicher Natur. Dieses war jedoch komplett neu und toll durchgeführt. Für kommende Aufgaben fühle ich mich nun gestärkt und bemerke wieder einmal, wie richtig und wertvoll das ist, was wir tun“ schloss er die Runde ab.

Am Abend waren wir ziemlich platt, so dass sich die meisten zeitig zurückzogen. Nach dem Frühstück am Sonntag traf man sich erneut, um so die Möglichkeit zu nutzen, gemeinsam im Team noch die Vorgehensweise der Unterrichtseinheit „Suizidprävention“ für Schulen zu diskutieren und an dem bisher Erarbeiteten noch ein wenig zu feilen. Da das Wochenende wertvoll wie auch anstrengend war, wurden die Ideen gesammelt, die Weiterbearbeitung dann auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Iris Pfister bat darum, nach der Ruhe der Nacht nun auch noch einmal widerzuspiegeln, was jeder von dem Wochenende an Eindrücken und Gedanken nach Hause mitnehmen würde. „Was wir von Frau Greve gehört und gelernt haben, war sehr informativ. Mich hat einiges davon auch noch spät abends beschäftigt, auch als ich mich zur Ruhe legte“, meinte Sandra Kelter, die gemeinsam mit ihrem Mann und unserem zweiten Vorstand die Anlaufstelle in St. Wendel betreut. Um die Mittagszeit brachen wir zur Heimreise auf, alle gefüllt mit Dankbarkeit und neu entdeckten Stärken. Wieder einmal wurde allen klar, was unseren Verein so wertvoll macht: Zusammen können wir viel erreichen, sind wir nicht alleine und können wir, selbst behaftet mit unserem eigenen Schicksal und unserer eigenen Trauer, uns gegenseitig „zumuten“ und den anderen stützen. „Ich würde mir wünschen, bei dem nächsten Seminar alle unsere Paten diese wertvolle Erfahrung machen lassen zu dürfen. Es stärkt ungemein und kräftigt nicht nur die Vereinsarbeit, sondern jeden von uns auch selbst,“ erwähnt Iris Pfister zum Schluss. „Ich danke unserem Verein, der uns dieses bereichernde Seminarwochenende überhaupt ermöglicht hat, aus ganzem Herzen“.