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Von Gedanken, Erlebtem und Austausch:
wir machen uns sichtbar

Auf unserem Blog findet Ihr unsere Gedanken, unser Erlebtes und auch Interviews die nach und nach mit unseren Mitgliedern geführt werden.

Warum TREES of MEMORY? - von Iris Pfister


Diese Frage mag nun vielleicht von einem Vorstandsmitglied seltsam anmuten. Ist sie aber nicht. Immer wieder frage ich mich, warum vor knapp einem Jahr mein Augenmerk auf dieses Projekt fiel. Denn solange (oder so kurz) ist es nun her, als ich über diese Idee in Facebook gestolpert bin. Einen Baum der Erinnerung, für Verstorbene durch Suizid, für die Hinterbliebenen. Und das auch noch zu Fuß.... das klang verrückt! Aber es hat etwas in mir bewegt. In mir, die sich oft so taub, kraftlos und mutlos fühlt. In mir, einer Mutter, die täglich die Sehnsucht nach ihrem Kind spürt, die ihren Sohn unendlich vermisst und am kämpfen ist, um halbwegs mit dem zu bewältigenden Alltag Schritt zu halten.
Und ich wusste: auch ich möchte einen Baum! Einen Baum für meinen Sohn und die Menschen in meinem Umfeld, die ebenso diesen Weg wählten. Denn es ist erschreckend, wie hoch die Anzahl dieser Schicksale ist. Ich möchte diesen Baum als Zeichen der Hoffnung, als Zeichen der Erinnerung, als Zeichen des Lebens.
Und plötzlich war ich nicht nur jemand, der einen Baum der Erinnerung wollte, sondern nach ein paar Mal hin und her schreiben mit Mario davon überzeugt, dass es für mich Sinn macht und gut ist, mich zu engagieren. Also wurde ich Gründungsmitglied und Teil des Vorstands von TREES of MEMORY e.V. Und ja, es gibt mir einen Sinn. Nicht nur die Bäume, die durch das Projekt "Mario läuft" gepflanzt werden sind für mich wertvoll. Auch die für viele nicht so sichtbaren Dinge, an denen wir arbeiten, sind so wichtig für mich. Das neue Projekt "1. Anlaufstellen", mit dem wir im Oktober starten wollen. Diese Hilfe für Hinterbliebene, wenn sie ein offenes Ohr brauchen und noch keine Kraft finden, sich selbst um Selbsthilfegruppen, Therapeuten oder anderweitigen Hilfen umzusehen. Weil man, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, machtlos vor dem Nichts steht und gar nicht weiß, wie man eigentlich weitermachen soll. Dort behutsam an die Hand nehmen, unterstützend die ersten Schritte mit den Betroffenen gehen um mit ihnen gemeinsam die passende Hilfe zu suchen.
Autorenlesungen anzubieten, oder Facharztvorträge zum Thema Suizidalität, Kampagnen die Suizidprävention bedeuten und auch Veranstaltungen, die das Thema aus dem Tabu holen... es ist so viel zu tun!
All dies gibt mir das Gefühl, dass es richtig ist, was ich tue. Und mein Sohn dort auf der anderen Seite vielleicht wohlwollend sieht, wie sehr wir uns bemühen, wieder irgendwie in das Leben zurückzufinden. Dies ist oft so anstrengend... für seinen Vater, seine Schwester, und auch für mich. Und vielleicht schaut er seinen Baum dann auch oft von da oben aus an, wenn er mal gepflanzt sein wird...
So wie auch mein eigener Weg und der meiner Familie steinig ist, so ist es aber auch der Weg des Vereins. Mit noch so kleiner Anzahl an Mitgliedern oft schwierig, Dinge zu stemmen. Mit sehr wenig an Spenden Vorhaben in die Tat umsetzen, die eben finanzielle Mittel bräuchten. So viele Ideen, die noch nicht machbar sind, weil eben die Mittel fehlen. Und manchmal wünsche ich mir, dass dieser Weg nicht ganz so steinig wäre. Vorhaben umgesetzt werden könnten, weil von irgendwo eine Spendenflut rein kommt. Man darf träumen... und hoffen. Und ganz offen wünschen, dass sich immer wieder Menschen von unserem Verein oder auch den Bäumen der Erinnerung angesprochen fühlen. Die das ebenso eine gute, unterstützungswerte Sache finden wie ich. Und die dies unterstützen möchten. Als Mitglied, passiv oder aktiv, oder durch eine Spende, die man persönlich verschmerzen könnte...