google-site-verification=-UgRHQ8wj0fm7xzZB-RVR0oR456EBS1jG8-927xuFjk

MIT DEM SCHICKSAL HADERN ODER ANNEHMEN? – ODER DIE SUCHE NACH DEM GÄNSEBLÜMCHEN


Eigentlich wollte ich letztes Wochenende, welches ja bundesweit der Beginn vieler Aktionen zur Woche der seelischen Gesundheit bedeutete, einen Text für Euch verfassen. Nun, es gelang mir nicht. Etwas betrübte und beschäftigte mich ziemlich, das musste erst verdaut werden. Und so stürzte ich mich zuerst in das Projekt „Workshop-Ausarbeitung“, das lenkte etwas ab und so konnte das andere ein wenig sacken. Dafür möchte ich nun heute ein paar meiner Gedanken mit Euch teilen.

Ihr kennt das sicherlich auch. Manchmal, wenn man denkt es geht wieder besser, passiert irgendetwas oder widerfährt einem etwas, und man empfindet es als totalen Dämpfer. Da fragt man sich, was denn noch alles kommt. Und warum einem nicht vergönnt ist, dass es auch mal länger gut läuft. Als ob das Schicksal schauen möchte, was man alles aushalten kann. Ihr gebt mir recht? Ich glaube, es ist auch legitim, sich ab und an diese Frage zu stellen. Mit dem Suizid meines Sohnes 2015 begann eine wirklich heftige Zeit. Alles andere, weder schwierige Kindheit noch ernste Erkrankungen, alles was ich je zuvor als schwer und belastend empfunden hatte wog nichts gegen das, was uns dadurch widerfuhr und noch folgen sollte. Innerhalb von zwei Jahren starben drei weitere Menschen unsere Familie und vier aus dem Umfeld. Es schien, als ob mich der Tod verfolgen würde. Ich empfand mich und das Geschehene manchmal als richtig irreal. Dazu kamen noch weitere „Baustellen“, die das Leben erschwerten. Wieder ins Gleichgewicht zu kommen kann da ein ganz schön anstrengender Weg sein. Ich hatte mir selbst damals verboten, mir diese „Warum wir, warum ich?“ Frage zu stellen. Hätte ich eine Antwort erhalten? Ich denke nicht. Hätte es etwas geändert? Wohl eher nicht. Es herrschten ja sowieso schon so viele „Warum“ Fragen in meinem Kopf. Warum konnte ich nichts verhindern, warum habe ich es nicht kommen sehen, wie soll ich selbst überhaupt noch weiterleben können? Das waren eher die Fragen, die mich zermürbten. Diese „Warum ich?“ Frage hatte darin überhaupt keinen Raum. Auch wenn ich meinen eigenen Schmerz ganz intensiv spürte und er allgegenwärtig war (an manchen Tage kehrt er mit voller Wucht zurück, aber er wird auch wieder milder, das weiß ich jetzt), so war ich mir des Schmerzes der anderen um mich herum ebenfalls bewusst. Und mir war klar, dass dieser für diejenigen ebenfalls intensiv und ebenso einzigartig empfunden wurde. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, wie man so schön sagt. Und manchmal sind das auch ziemlich große und schwere Pakete, keine Päckchen mehr. Gelegentlich half mir das; zu sehen, dass ich nicht allein solch ein Paket auf den Rücken geladen bekommen hatte. Dass da auch andere waren, die ebenfalls kämpften. Nicht, weil ich dachte sie hätten das verdient, absolut nicht! Sondern weil ich mich daran orientieren konnte. Ich sah, dass sie sich nicht aufgaben. Und ich sehe es auch noch heute. Das kann Mut machen. Zeigen, dass es möglich ist, weiterzumachen. Auch wenn es vielleicht manchmal auf Irrwegen und Umwegen geschieht, irgendein Weg vorwärts wartet nur darauf, gefunden und gelaufen zu werden. „Ich mache das Beste daraus und lasse mich nicht unterkriegen“, das zu sich selbst zu sagen funktioniert nicht immer und nicht jedem. Sollten wir es deshalb aber erst gar nicht wagen, diesen Gedanken zuzulassen? Auch wenn wir immer wieder mit unserem Schicksal hadern, es bleibt ja da, geht nicht einfach so wieder weg. Es ist das, was unser Leben ausmacht. Was uns prägt und formt. Wenn wir es schaffen können, unser Schicksal anzunehmen, ganz gleich ob Krankheit, Verlust, oder auch Trauma aus der Vergangenheit, dann können wir lernen, uns selbst anzunehmen. Auch wenn die Stürme in unserem Leben uns ab und an zu zerbrechen drohen, so können sie durchaus auch mit tosenden Wellen über uns hinwegfegen und abebben. Wenn wir dann wieder zur Ruhe kommen, dann können wir auch das Kleine, Schöne wiederentdecken, das in jedem neuen Anfang wohnt. Wie ein zartes Gänseblümchen, dass sich an jedem Ort einen Weg ins Licht sucht.

Gebt auf Euch acht…. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr Eure eigenen “Gänseblümchen“ des Lebens immer wieder entdecken könnt.