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EIN GEFÜLLTES JAHR – RÜCKBLICK AUF DAS GELEISTETE


Text: Iris

Wie jedes Jahr am ersten Novemberwochenende fand unsere Mitgliederversammlung statt. Auch wenn es zwischendurch nicht in dem gewohnten Ausmaß mit unseren Followern geteilt wurde, war doch ganz schön viel Aktivität seit der letzten MV. Einen Überblick davon möchten wir gerne mit Euch teilen.

Kurz nach der der MV im vergangenen Jahr fand eine weitere Baumpflanzung statt. Der Start für insgesamt elf Bäume der Erinnerung, die in diesem Geschäftsjahr für Suizidopfer gepflanzt wurden. Und jede einzelne Zeremonie war etwas Besonderes, war einzigartig. Da Mario Dieringer diesen Sommer seinen Lauf auf Grund gesundheitlicher „Zwangspause“ unterbrechen musste, wurden bis auf zwei Zeremonien alle von ihm persönlich durchgeführt. Inzwischen haben wir insgesamt 64 Bäume der Erinnerung die im Zuge des Projektes „Mario läuft“ organisiert und gepflanzt oder gewidmet wurden. Ein Projekt, welches weiter läuft und wächst…

Im Februar waren wir auf der Messe „gesund leben“ in Frankfurt dabei. Wir kamen an beiden Tagen mit vielen Menschen ins Gespräch und hatten dort Begegnungen, die uns berührten. Einen ausführlichen Beitrag dazu hatten wir danach online gestellt.

Für die Paten unserer 1. Anlaufstellen waren wir Mitte April für ein Wochenende in Göttingen und hielten unser Seminar ab. Am ersten Abend gingen wir auf die Empathie ein. Machten unter anderem Übungen zur eigenen Wahrnehmung von Gefühlen und den möglichen Bedürfnissen hinter genannten Sätzen, so dass wir uns noch intensiver sensibilisieren konnten auf das, was uns in Gesprächen gesagt wird und wie wir unterstützen können. Am nächsten Tag gingen wir dann mit der wunderbaren Natalie Katia Greve zuerst die Ziele unserer Gesprächsführung mit Betroffenen durch. Was soll für die Person nach dem Gespräch anders sein, was wollen wir der trauernden Person mitgeben? Dazu machten wir eine Sammlung. Wir sprachen über Haltung und Einstellung in der Trauerbegleitung und gingen im Anschluss auf die Selbstfürsorge ein. Wie können wir in unserer Mitte bleiben, um somit die Betroffenen bestmöglich zu unterstützen, und wie schaffen wir es, uns wieder ins Boot zu holen, wenn wir merken, dass uns das Gespräch zu sehr nahe geht? Das sind alles wichtige Punkte, die wir immer wieder üben und uns bewusst machen müssen. Denn jede Begleitung, jeder Austausch mit Betroffenen kann auch etwas in uns auslösen, da wir selbst ebenfalls dieses Schicksal des Verlustes durch Suizid tragen. Aber genau deshalb können wir vieles besser nachvollziehen, besser verstehen…. Und sind dankbar um jeden, dem wir eine helfende Hand und ein offenes Ohr geben konnten. Etwas, was manch einer von uns sich selbst zum damaligen Zeitpunkt gewünscht hätte, aber nicht fand. Im nächsten Teil gingen wir auf die Gesprächsführung ein. Stärkten nochmal unser vorhandenes Wissen, machten uns die wichtigsten Punkte dabei erneut bewusst. Und konnten auch Neues daraus mitnehmen. Ein gefüllter zweiter Tag. Den dritten Teil am Sonntag, den wir dann wieder intern durchführten, gingen wir zuerst Fakten und Wissensabfrage zur Depression und Suizidalität durch. Die besondere Gesprächsführung an unseren Infoständen bei Veranstaltungen und Messen wurde thematisiert, hier ging es um Empathie, Deeskalation und Selbstfürsorge. Tatsächlich kann es immer wieder vorkommen, dass Passanten unser Ziel der Öffentlichkeitsarbeit falsch verstehen und eine politische oder religiöse Diskussion beginnen wollen. Gezielt auf unser Thema zurückzuführen, auch das muss erlernt sein… Zum Abschluss des Seminars sammelten wir unsere eigenen Hilfsmöglichkeiten zur Stressregulierung und Selbstfürsorge sowie verschiedene Hilfsmöglichkeiten in der Begleitung Betroffener. Da kam einiges zusammen und der Austausch darüber war immens wertvoll. Wir als Team können untereinander unser Wissen weitergeben, voneinander lernen und uns auch gegenseitig unterstützen. Das war berührend zu erleben.

Im Mai fand die Messe „LEBEN UND TOD“ in Bremen statt. Da in diesem Jahr der Fokus auf dem Thema Suizid lag, waren wir gespannt, ob wir deshalb gezielter angesprochen werden würden, da wir als eine der wenigen explizit die Trauer und das Leben nach Verlust durch Suizid und Suizidprävention auf unserem Banner stehen haben. Unser Team vor Ort war durchgehend beschäftigt und in Gesprächen. Wir konnten Wissen vermitteln, Fragen beantworten, Mitgefühl mit Betroffenen zeigen und Mut machen. Und waren danach erfüllt von vielen Eindrücken, die sich erst im Nachgang setzten.

Mitte Juni wurde in Bad Mergentheim mit ca. 50 Schülern und Schülerinnen zum ersten Mal unser Workshop „Mentale Gesundheit“ durchgeführt. Über drei Schulstunden besprachen wir die Themen, stellten Fragen und beantworteten diese gemeinsam. Was versteht man unter mentaler Gesundheit? Was sind Glückshormone und was machen die eigentlich? Was passiert im Körper, wenn man psychisch aus der Balance gerät, und welche Krankheitsbilder gibt es? Wie erleben Betroffene eine Depression? Was wissen die Schüler darüber bereits? Was ist Suizidalität, wie machen sich solche Gedanken bemerkbar? Und was tun, wenn ich selbst merke, dass es mir nicht gut geht? Oder einem Mitschüler? Wo bekomme ich Hilfe? Ganz wichtige Themen, um zu sensibilisieren. Diesen Monat noch wird dasselbe im Saarland stattfinden. Im kommenden Jahr wollen wir versuchen, damit vermehrt an Schulen zu treten und die drei Stunden durchzuführen. Alles mit der eigenen frei verfügbaren Zeit der Teammitglieder.

Über das Jahr verteilt wurden verschiedene Kontakte geknüpft. So fand von unserem 2. Vorstand im Saarland ein Gespräch mit Führungskräften der Polizei WND statt, ein Besuch und Gespräch beim Gesundheitsminister des Saarlandes und auch der Kontakt mit der Notfallseelsorge dort wurde gepflegt. Im Main-Tauber-Kreis fand ebenfalls ein Treffen mit dem Team der Notfallseelsorger statt. Es wurden Vorträge zum Thema Depression bei Kindern und Jugendlichen und auch zum Thema Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen besucht, die im Neckar-Odenwald-Kreis angeboten wurden. Ebenfalls das Symposium anlässlich des 80. Geburtstags von Prof. Dr. Dr. Armin Schmidtke welches im Oktober in Würzburg stattfand. Ein Rückblick über 50 Jahre Suizidprävention, den aktuellen Stand und weiteres Vorgehen bzw. Entwicklung für die Zukunft wurde hierbei dargestellt. Ebenfalls im Oktober fand in Kassel der Herbstkongress der DGS, der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention statt. Auch hier nahmen wir teil und konnten unser Wissen vergrößern, in Workshops neue Ziele mit auf den Weg bringen und uns mit anderen Personen und Organisationen austauschen. Dass wir einigen bereits bekannt waren und auch manche davon Betroffene an uns verweisen, war zudem etwas, was wir sonst so nicht erfahren hätten. Und es zeigt, dass sich all die Arbeit der letzten Jahre gelohnt hat.

Zwei unserer neuesten Mitglieder stellten im August unseren Verein bei einem Tag der offenen Tür einer Landschaftsgärtnerei in Schleswig-Holstein vor.

Zum 10. September wurde in Meschede ein Gemeinschaftsbaum der Erinnerung für Suizidopfer des Hochsauerlandkreises gepflanzt. Zudem boten Iris Willecke und die AGUS-Gruppen vor Ort Interessierten die Möglichkeit, Mario Dieringers Vortrag zu besuchen. Die AGUS-Gruppen rundeten die Veranstaltungstage mit einer Gedenkandacht ab.

Im Oktober fand dann die Messe „LEBEN UND TOD“ in Freiburg statt. Auch hier ergaben sich gute und intensive Gespräche.

Die Paten der Anlaufstellen hatten ca. 25 neue Kontaktaufnahmen durch Betroffene in den verschiedenen Regionen. Wie ernst die Paten ihr Engagement nehmen, zeigt sich auch darin, dass sich freiwillig in den verschiedensten Bereichen weitergebildet wird, jeder von sich aus immer wieder Vorträge anhört, an externen Seminaren teilnimmt und sich Wissen aneignet. Nicht nur für sich selbst, denn all das kommt auch den Menschen zugute, denen wir Hilfe und Unterstützung bieten möchten.

Alles, was wir tun, machen wir mit ganzem Herzen. Freiwillig und ehrenamtlich. Und deshalb ein ganz dickes DANKE an all die wundervollen Menschen, die Teil des Vereins sind. Ohne Euch wären wir NICHTS! Und ein dickes DANKE an alle, die uns unsere Arbeit durch ihre Spenden ermöglicht haben. Ohne Euch ginge vieles nicht. Auch wenn die Spendeneinnahmen zurück gingen, konnten wir doch vieles erreichen und die elf weiteren Bäume der Erinnerung pflanzen. Wir werden weiterhin genau schauen, was für uns im Bereich des Möglichen ist. Damit unser Verein weiterhin gesund dastehen kann. Damit wir Betroffenen zur Seite stehen können. Damit wir uns in der Suizidprävention engagieren können. Damit wir im kommenden Jahr auch Mario Dieringers Lauf unterstützen können. Und um die nächsten Bäume der Erinnerung zu pflanzen. Daher nochmals ein Dickes DANKE an alle, die uns wohlgesinnt sind, unser Tun verfolgen und uns durch ihre Spende unterstützen.


Auch wenn es etwas ruhiger in Facebook war, die Webseite nicht so intensiv gefüttert wurde wie erhofft, so war doch einiges los bei uns. Und versprochen: es werden nun wieder mehr unserer Gedanken mit Euch geteilt als in den letzten Monaten. Die letzten Monate fehlte es schlichtweg an den persönlichen Ressourcen und der eigenen Kraft, da sich sehr vieles im privaten komplett neu sortieren musste. Dazu aber demnächst ein separater Text mit persönlichen Gedanken.



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