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DER INNERE BLUES – ODER AUF DER SÙCHE NACH ALTERNATIVEN


An manchen Tagen ist es für mich ganz schön schwer, etwas Gutes im Tag zu sehen. Grau und wolkenverhangen ist es draußen und es scheint sich viel schneller auf das Gemüt abzufärben. Den Alltag ausblenden wollen, nichts sehen und hören wollen von all den Nachrichten da draußen. Weil vieles dazu im Moment eh schon schwierig ist, Ausdauer und Geduld erfordert. Ob das im Gesundheitlichen ist, weil seit vielen Monaten und all der Bemühungen mit OP und Medikamenten die eine noch verbleibende „Baustelle“ einfach nicht besser wird. Mich einschränkt. Oder im Alltag, weil das Arbeitspensum nicht weniger wird und manches auch ins Stocken gerät. Oder im Allgemeinen überhaupt, weil so einiges von dem wieder in der Schwebe ist, worauf ich mich fast schon freuen konnte. Nun ist wieder Warten und Bangen angesagt. Gibt es den Lichtblick, ist es durchführbar? Oder stecke ich wieder fest und erlebe die Enttäuschung, weil ein Vorhaben, bereits seit einem halben Jahr geplant, vielleicht wieder nicht möglich sein wird? Es fällt mir immer schwerer, diese Lichtblicke überhaupt einbauen zu wollen. Die meisten wurden in den letzten zwei Jahren dann Schall und Rauch. Ich merke, wie es mir immer mühseliger erscheint, mich zu motivieren. Dass vieles einfach momentan kräftezehrender ist. Nun bin ich also auf der Suche nach Balance. Einerseits merke ich, wie mich die bevorstehende Adventszeit unruhig macht. Für mich bis nach dem Jahreswechsel neben Geburts- und Todestag meines Sohnes die schlimmste Zeit. Ich bringe es noch immer nicht fertig, mich innerlich darauf einzulassen. Es macht mir Angst. Denn während dann in den Häusern die Lichter in den Fenstern brennen, es heimelig und einladend wirkt, nach selbst gebackenen Plätzchen riecht und alles irgendwie friedlich wirkt, spüre ich dass ich noch immer nicht meinen Frieden gefunden habe. Noch immer überwiegt der Schmerz des Verlustes, die Sehnsucht nach dem, den ich verloren habe. Noch immer wirkt es auf mich, als ob mir ein Spiegel vorgehalten wird, in dem ich dieses große „Nie wieder“ lese. Im letzten Jahr habe ich von meiner Schwester und ihren Kindern eine kleine Deko-Stadt bekommen. Die leuchtet, und viele liebevolle Details hat. Ich konnte sie aufstellen. Das war das einzige, was irgendwie weihnachtlich aussah. Dieses Jahr hat mir meine Tochter einen Leuchtstern geschenkt. Ich weiß noch nicht, an welcher Stelle ich ihn anbringen werde. Aber ich weiß, es bedeutet die Einladung, Stück für Stück die Annäherung an die Weihnachtszeit zu wagen. Ich sehe, wie sehr sich meine Tochter auf das Dekorieren ihres Zuhauses freut. Sie ist da eine absolute Koryphäe und liebt es. Sie strahlt dann richtiggehend von innen heraus. Und schafft es, sich ihre Wohlfühloase zu gestalten. Es lässt mich lächeln, mich mit ihr freuen, da ich sehe was es mit ihr macht. Und doch fühle ich mich auch überfordert. Ich weiß, was der eine oder andere sich für mich wünschen würde. Und sehe mich nicht in der Lage, die Wünsche zu erfüllen. Die letzten sechs Weihnachten habe ich auf unterschiedlichste Weise versucht zu überstehen. Und doch kann ich von keinem sagen, dass dies die beste Variante war. Ich bin auf der Suche. Unruhig und unwissend. Puzzle, Malutensilien und ein Diamond-Painting-Mosaikbild liegen in der Warteschlange, ebenso wie Bücher. Falls meine Augen es mitmachen, kann ich darauf zurückgreifen und mich während der Weihnachtstage ablenken. Wie gelingt es mir dieses Mal? Wie gelingt mir die Balance zwischen Wünsche der anderen erfüllen und mich selbst dabei nicht zu verlieren und zu überfordern? Wo ist der Mittelweg? Ich versuche es noch weitgehendst auszublenden. Versuche mich auf andere Dinge zu konzentrieren, die anstehen. Ja, auch da sind Ereignisse dabei, auf die ich mich freue. Der Geburtstag meiner Tochter zum Beispiel. Und, falls mein Lichtblick nicht doch zu Staub zerfällt, der lang geplante Wochenendausflug im Dezember. Worauf ich mich auch freue, und mich auch geehrt fühle, ist die Baumpflanzung nächsten Samstag die ich durchführen darf. Weil es für eine Person ist, die mir sehr am Herzen liegt und die ich sehr gerne habe. Ich versuche nun, diese guten bevorstehenden Ereignisse in den Vordergrund meines Denkens zu holen. Damit in Balance zu kommen. Und mir ganz bewusst Momente in den Alltag einzubauen, die mir Ruhe geben können. Damit neben all der Arbeit und dem Fühlen, den gesundheitlichen „Wehwehchen“ auch die Selbstfürsorge nicht zu kurz kommt. Schlaf suchen und hoffentlich finden, wenn der Körper Ruhe braucht. In Musik eintauchen, wenn die Gedanken abgeschaltet werden wollen. Innerlich ausgeglichen zu werden, in dem ich ab und an auf der Klangtrommel klimpere, die ich mir vor einigen Monaten gegönnt habe. Mir auch mal ein gutes Essen gönne, weil das nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut tut. Versuchen, dem Grau entgegenzuwirken. Ich möchte es nicht gewinnen lassen. Das geht nicht mit der Holzhammer-Methode, sondern, ebenso wie alles nach dem Tod meines Sohnes, nur behutsam und in kleinen Schritten. Und ja, ich darf mir die kleinen Schritte zugestehen. Ich muss niemandem etwas beweisen. Nur mir selbst… dass ich es mir ab und an inzwischen auch wieder Wert sein kann, auf mich acht zu geben und liebevoll mit mir umzugehen. Egal, ob ich mich selbst mag oder nicht. Vielleicht kommt dieses „sich-selbst-mögen“ ja irgendwann. Bis dahin kann und darf ich mit mir zumindest ja schon mal so umgehen, als ob es so wäre. Schaden wird´s wohl nicht…

Kommt gut durch die kommende Zeit, Ihr Lieben. Und klopft Euch gelegentlich auch mal selbst auf die Schulter. Denn wir meistern alle viel mehr, als wir ahnen…