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AUS DEM GRAU INS LICHT – ODER WENN DIE WAHRNEMUNG SICH ÄNDERT


Vielen von uns fällt es im Moment immer schwerer, sich selbst positiv denkend und motiviert zu halten. Die Tipps und Links zur Stärkung der eigenen Psyche sehen und lesen wir zwar, anders als im allerersten Lockdown vor einem Jahr können wir es nicht immer so gut greifen oder umsetzen. Es ist merklich, dass aus dem Tief, welches man aushalten kann und will, doch auch so nach und nach bei vielen die Depression einsetzt. Gerade jetzt ist es schwieriger, die Menschen mit etwas Positivem zu erreichen. Auch wenn sich eigentlich jeder danach sehnt, den grauen und negativen Gedanken zu entfliehen. Ich habe mir nun überlegt, was ich Euch von meinen Gedanken mitgeben kann. Weil auch da zurzeit häufig grau herrscht. Klitzekleine Funken von Hell tauchen immer wieder auf, und an denen möchte ich mich festhalten. Zu sehen, dass es meiner Tochter gut geht, ich sie immer wieder strahlen sehnen kann, auch wenn sie ihren Bruder schmerzlich vermisst. Wenn auch sie vieles manchmal als sehr anstrengend empfindet, sie inzwischen weiß, was sie dagegensetzen kann. Dies ist ein Funken von Hell, der mich erreicht. Es ist auch der Sonnenstrahl zum Beispiel, der mich beim Spazieren gehen begrüßte. Und ich eigentlich wirklich stolz auf mich bin, nach draußen gegangen zu sein. Des Öfteren nahm ich es mir in den vergangenen Tagen und Wochen vor, konnte mich dann jedoch nie dazu aufraffen. Nun hatte ich es endlich geschafft. Und siehe da, es tat mir gut. Klar frage ich mich, warum ich nicht schon die vorherigen Tage mein Vorhaben umgesetzt habe, weil mir ja eigentlich bewusst war, dass es mir guttun würde. Es fehlte die Motivation, der kleine, eigene Tritt in den Hintern. Das allein für mich laufen fällt mir gerade schwerer deswegen. So habe ich vor einigen Tagen spontan einer Bekannten geschrieben und sie gefragt, ob sie Lust hätte mitzugehen. Hatte sie… und war selbst froh, dass sie jemand runter von der Couch gebracht hat. Es tat uns beiden gut. Frische Luft, Bewegung, sich dabei gut unterhalten können. Ich glaube, das könnte für mich so eine Art von Ruck sein, den ich benötige. Jemanden fragen, ob man sich zum Spazieren treffen möchte. Weil dann ja schon mal ein Termin steht, ich dann keine Ausrede finde, eben nicht zu laufen. Auch das Erstgespräch mit einer Betroffenen, die das Angebot unserer 1. Anlaufstelle hier wahrnahm, fand dann bei einem langen Spaziergang statt. Gedanken konnten dabei irgendwie besser fließen, besser geäußert werden und sie sich im Gespräch vielleicht auch besser öffnen.

Nun, wo die Sonne sich wieder häufiger durch die Wolken drängt und die Nasenspitze kitzelt, die ersten Vögel mit ihrem Frühlingsgesang zu hören sind, da erwacht auch wieder das Leben. Können wir etwas davon mitnehmen? Für uns selbst als Energie nutzen? Vielleicht müssen wir ganz bewusst darauf schauen, es ganz bewusst wahrnehmen, damit es überhaupt zu uns durchdringt. Und können daran anknüpfen. Ich brauche diese Stärkung gerade. Der Winter im Lockdown ist sicherlich für sehr viele kraftraubender gewesen oder ist es noch immer. Auch, wenn sich durch die ersten Sonnenstrahlen an der Situation nichts ändert, so können sie uns vielleicht einen kleinen Moment durchatmen lassen. Darauf konzentrieren sie zu genießen, und für einen Moment vergessen, was gerade alles so schwer ist.

In den letzten Monaten habe ich wieder gespürt, was die Arbeit im Verein für mich bedeutet. Weil vieles eben nicht ging, umgeworfen, umgeplant und auf später verschoben werden muss. Dieses Arbeiten im Hintergrund, für TREES of MEMORY e.V., für die Menschen, die auf unsere Unterstützung zurückgreifen möchten. Das Planen und Umsetzen. Es geriet ins Stocken und wurde ausgebremst. Und hat mir dadurch erstmal vorübergehend einen wichtigen Pfeiler genommen, der mich am Leben hält, der mir Sinn zum Weitermachen gibt. Das hat mich ins Straucheln gebracht. Hat mir zu viel Zeit gelassen, um die Sehnsucht nach meinem Sohn noch intensiver wahrzunehmen als ich das aushalte. Dabei habe ich vergessen, dass wir es im September vergangenen Jahres (was fühlbar Ewigkeiten zurückzuliegen scheint) trotzdem schafften, die Lücke der da gerade gelockerten Einschränkungen zu nutzen und wirklich auch die Veranstaltungen zum Tag der Suizidprävention durchführen konnten. Es war so ziemlich das Einzige, was konkret und sichtbar in der Öffentlichkeit gemacht werden konnte. Aber immerhin… Das Hoffen auf 2021, dass zeitiger und mehr Vorhaben umzusetzen sind, darauf will ich weiterhin vertrauen. Auch wenn es momentan noch nicht so aussieht. Wir haben noch so viele Baumpflanzungen, die anstehen, können gerade aber nur zwei davon fest terminieren, da man nicht weiß, wie sich die Situation entwickelt. Das macht mürbe. Macht mich ungeduldig. Und manchmal auch ein bisschen traurig. Ich versuche nun den negativen Gedanken in mir die Stirn zu bieten. Es gibt die positiven Dinge, auf die der Blick einfach nicht mehr klar da war. Denn da sind noch viele Bäume, die gepflanzt werden wollen, auch wenn wir damit warten müssen. Da sind noch Veranstaltungen, die wir durchführen werden. Da sind neue Mitglieder zu uns gekommen, die sich einbringen möchten. Da sind, zu den anfänglichen acht als wir diese ins Leben gerufen hatten, neue Anlaufstellen dazugekommen, so dass wir unsere Paten nun in vierzehn Regionen haben. Wir haben den Workshop fertig erstellt, den wir bei der Polizei durchführen möchten. Wir haben die Suizidprävention, die wir mit Lehrern und Schülern machen wollen, ausgearbeitet. Wir haben noch vier weitere Projekte, an denen wir mitarbeiten werden bzw. allein erstellen. Darüber werden wir Euch zu gegebener Zeit mehr berichten und zeigen können. Eigentlich wirklich ganz schön viel Produktives, und das darf ich mir immer wieder klar machen. Das alles ist nach außen gerade nicht so sichtbar, eben weil die Durchführung durch die Pandemie bei manchen Dingen noch nicht möglich ist. Und anderes momentan noch in der Entstehung, aber was ganz Großartiges wird… so finde ich zumindest. Und ich freue mich wirklich schon darauf, es Euch vorstellen zu dürfen, sobald die nächste Planungsphase durch ist. Also, doch ganz schön viel Positives und Produktives… ich habe es nur nicht mehr gesehen.

Nun habe ich sie gerade wieder im Blick. Die Ziele, auf die ich hinarbeite, auf die wir gemeinsam hinarbeiten. Und das tut gut. Ich glaube, heute ist mir auch ein Spaziergang allein ohne motivierenden Laufpartner möglich… hin zu Kevins Baum der Erinnerung, um mal kurz „Hallo“ zu sagen. Und vielleicht noch ein Stück weiter, das Zwitschern der Vögel wahrnehmend und schauend, wie die Natur gerade erwacht…