google-site-verification=-UgRHQ8wj0fm7xzZB-RVR0oR456EBS1jG8-927xuFjk DAS STEUER DES LEBENS – ODER IN SCHIEFLAGE GERATEND
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DAS STEUER DES LEBENS – ODER IN SCHIEFLAGE GERATEND


Es gibt so manches, was uns herausfordert oder uns in Schieflage bringt. Immer wieder passiert es, dass der Alltag entweder ziemlich ruhig verläuft oder man sich vor Arbeit, Aufgaben und der To-Do-Liste fast erschlagen fühlt. Die Mitte gerät ins Wanken. Persönlich, beruflich, in der Freizeit. Dieses Jahr ist eh so komisch, da wir uns an viele Regeln halten müssen, die wir zuvor noch nie kannten. Distanz halten müssen, wo Nähe oftmals viel wichtiger wäre, auf Dinge und Vorhaben verzichten, die schon längst geplant waren und eigentlich die Freude darauf wuchs, Unsicherheit, wo Sicherheit nötig wäre. Trotz, dass ich wirklich Probleme damit habe, mich an alles zu halten was COVID 19 bedingt an Einschränkungen auf uns einprasselte, weil ich vor allem oftmals gar nicht mehr mitkomme was man jetzt nicht mehr darf oder inzwischen doch schon wieder darf, versuche ich mich damit zu arrangieren. Es bleibt mir ja nichts anderes übrig. So wie ich mich seit etwas über fünf Jahren immer wieder mit meinem jetzigen Leben arrangieren muss. Mir wurde im März 2015 das Ruder meines Lebens aus der Hand gerissen, mit einem brutalen Schlag und einer unbändigen Wucht. Nichts blieb mehr, was ich selbst steuern konnte. Plötzlich war da nur Trauer, Schmerz und Verzweiflung. Alles, worauf ich mich zuvor gefreut hatte, zerrann vor meinen Augen. Es war nur noch ein NICHTS, auf das ich in der Zukunft blickte. Normalität gab es nicht mehr, zumindest, wie ich sie gewohnt war. Die Suche nach etwas, dass einen Lichtschimmer in mein tiefes Dunkel bringen könnte kam oft ins Stocken, da die Kraft oft fehlte oder die Augen es nicht erfassten. So nach und nach gelang es dennoch, die kleinen Schritte nach vorne zu wagen. In ein anderes Leben, mit anderer Zeitrechnung. Es fühlt sich manchmal noch immer unwirklich an, dass dieser junge Mann, den ich großgezogen habe und den ich über alles liebe, nie mehr zurückkommt. Dann weiß ich, dass ich meine Mauer um mich aufbaue, weil der Schmerz zu sehr rumort, ich spüre, dass was in Schieflage ist. Ein Schutz der Seele. Das Steuer herumzureißen, um wieder in das Fahrwasser der Gegenwart zu gelangen ist dann mühsam, weil sich alles wie in einer Seifenblase anfühlt. Ich sehe, was um mich herum ist, kann es aber nicht greifen und finde keinen Zugang. Weder zu mir noch zu irgendwas sonst. Und so ähnlich fühlt sich dieses Jahr an. Eine geballte Wucht an neuen Regeln und Vorgaben, um eine Pandemie in den Griff zu bekommen, immer wieder Änderungen. Das schafft Unsicherheit, da sich vieles nicht planen lässt oder eben alle Pläne über den Haufen geworfen werden müssen. Zuerst viel im Stillstand, nun so nach und nach, manches das wieder zum Erwachen kommt. Und ich frage mich, wo ich mitten in dem Ganzen stehe. Dieses Ausbremsen von außen hat mir zumindest dabei geholfen zu lernen, das eine oder andere langsamer anzugehen, mich in ein wenig mehr Geduld zu üben und noch flexibler auf Dinge zu reagieren. Flexibel kann ich zwar, aber das Langsame und Abwartende in der Umsetzung der Pläne war und ist eine ganz schöne Herausforderung für mich. Noch immer, aber es wird… Und manchmal ist es auch von Vorteil, dass ich eher ein Mensch bin, der schnell agiert oder reagiert. Wenn uns Menschen kontaktieren, deren Leben selbst ins Wanken geraten ist. Da braucht es ein offenes Ohr, ein Beantworten der Mail oder ein Treffen. Zeitnah. Manchmal können aber auch wir diese Menschen nicht erreichen. Nicht, weil die Mail nicht ankommt oder der Telefonhörer nicht abgenommen wird, sondern weil alles Gesagte den Menschen innerlich nicht zu erreichen scheint. Wir können oftmals nicht mehr tun als zuhören. Oder zu ermutigen, dass der andere in sich selbst nach dem sucht, was einem gut tun kann. Es ist in jedem vorhanden, durch Trauer oder auch durch eine Depression jedoch schlichtweg in der Dunkelheit und scheint nicht mehr vorhanden. Dabei ist es da, leise schlummernd und darauf wartend, wieder entdeckt zu werden. Was wir auch tun können ist zu versuchen, dass diese Person, die Kontakt zu uns aufgenommen hat, professionelle Hilfe sucht und in Anspruch nimmt. Wir bieten an, bei der Suche zu helfen, in dem wir die Adressen heraussuchen. Mehr können wir aus der Entfernung nicht tun, wenn es nicht gerade in der Region ist, in der wir selbst leben. Hinterbliebene innerlich zu erreichen gelingt uns in den meisten Fällen und das gibt einem das Gefühl, die richtigen Worte gefunden zu haben. Bei Menschen mit Depressionen gelingt es nicht immer, vor allem, wenn zudem eine Suizidalität vorhanden ist. Da können wir gewaltig an unsere Grenzen stoßen, da wir eben nicht nebenan wohnen (uns kontaktieren die Leute von überall her) und somit nicht noch intensiver dazu motivieren können, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und dann vielleicht sogar dorthin zu begleiten. Auch wenn es weh tut, wenn man sieht, dass alles abprallt und uns auch triggern kann. Wir versuchen trotzdem dabei zu ermutigen, sich diesen Ruck zu geben und weitere Hilfe anzunehmen. Immer in der Hoffnung, dass die Person, die sich von uns Hilfe erhofft hat, noch weiter durchhält, so dass wir dennoch zumindest ein kleines Saatkorn hinterlassen haben, welches keimen darf und daraus Hoffnung wachsen kann. Immer in der Hoffnung, dass dieser Mensch wieder spüren kann, dass auch er wichtig ist und absolut nicht wertlos. Auch wenn wir noch so gerne diesen Schritt für den anderen übernehmen würden, Handeln kann und muss jeder für sich selbst, dies liegt nicht in unserer Macht. Das Steuer des Lebens wieder in die Hand nehmen zu können und wieder auf Kurs zu kommen, immer und immer wieder, wenn wir am Straucheln sind. Das wünsche ich Euch, das wünsche ich mir selbst.

-Eure Iris -




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